Ein Patient, nennen wir ihn Rolf Müller, Anfang 60, langjähriger Raucher, sitzt an diesem Morgen wie so oft im Wartezimmer seines Hausarztes. Ein Routinebesuch. Keine Beschwerden, kein konkreter Anlass. Im Gespräch wird sein erhöhtes Risikoprofil deutlich. Der Arzt entscheidet sich vorsorglich für eine Überweisung zur Computertomografie (CT). Was dann sichtbar wird, kommt für Müller völlig unerwartet - ein regelrechter Schock: ein Schatten auf der Lunge. Ein Zufallsbefund – wie so oft. Zu diesem Zeitpunkt ist die Erkrankung bei ihm, wie bei vielen anderen Betroffenen auch, bereits fortgeschritten. Die therapeutischen Möglichkeiten sind jetzt meist nur noch begrenzt, oft bleibt nur eine Behandlung, die dem Patienten Zeit verschafft, ihn aber nicht mehr heilen kann.
Lungenkrebs gehört zu den gefährlichsten Tumorerkrankungen – nicht primär wegen fehlender Therapien, sondern weil die Erkrankung oft erst sehr spät entdeckt wird. Frühe Stadien verlaufen meist ohne Symptome und verursachen kaum Beschwerden. Diagnosen erfolgen daher häufig erst spät, oft wenn bereits Metastasen vorliegen. Radiologische Untersuchungen der Lunge wurden bislang meist erst bei eindeutig auftretenden Symptomen wie langanhaltendem Husten oder Bluthusten, bei klaren Beschwerden - oder zufällig veranlasst. Deswegen sterben rund 45.000 Menschen jedes Jahr in Deutschland an den Folgen. Das muss nicht sein, je früher Lungenkrebs erkannt wird, desto besser sind auch seine Behandlungschancen.
Screening: Game changer und Wendepunkt bei der Früherkennung
Seit April hat sich diese Situation grundlegend verändert. Mit dem neuen gesetzlich verankerten Lungenkrebsscreening gibt es erstmals für Hochrisikopatienten einen strukturierten Zugang zur Früherkennung. Ausgangspunkt ist auch hier ein hausärztliches Beratungsgespräch, gefolgt von der Überweisung an eine radiologische Praxis, die ein Screening per Niedrigdosis-CT anfertigt. Dabei wird die Lunge mit deutlich reduzierter Strahlenbelastung untersucht, während gleichzeitig hochauflösende räumliche Schnittbilder von dem Organ entstehen. Auf diesen Bildern sind Tumore bzw. verdächtige Gewebeverdichtungen in der Regel gut zu erkennen. Die Zielgruppe: Starke und langjährige Raucherinnen und Raucher – egal ob aktive und ehemalige - im Alter von 50 bis 75 Jahren. Sie alle können sich ab sofort unabhängig von Beschwerden gezielt untersuchen lassen, um Veränderungen frühzeitig aufspüren lassen.
Das Ziel des Screenings ist klar: Erkrankungen erkennen, bevor sie Symptome verursachen und es zu spät ist. Der entscheidende Unterschied: Heute bestimmen nicht mehr Zufall oder Beschwerden den Diagnosezeitpunkt, sondern ein systematischer, risikobasierter Ansatz. „Die Früherkennung hat ein klares Ziel: Sie soll Lungenkrebs in einem frühen Stadium aufspüren, in dem eine heilende oder längerfristig kontrollierende Behandlung noch möglich ist", so Chefarzt Prof. Dr. Torsten Bauer, Leiter des zertifizierten Berliner Lungenkrebszentrums am Helios Klinikum Emil von Behring.
Behandlungspfad ändert sich grundlegend
Für unseren Patienten ändert sich damit die weitere Behandlung grundlegend. Wir müssen seine Geschichte ab diesem Zeitpunkt also anders erzählen. Müller wird frühzeitig als Hochrisikopatient identifiziert und gezielt ins Screening geführt. Zeigt das CT einen auffälligen Befund, folgt für ihn ein klar strukturierter Behandlungspfad. „Wer nach der CT-Untersuchung einen positiven oder abklärungsbedürftigen Befund erhält, sollte sich zeitnah an ein spezialisiertes Lungenkrebszentrum wenden. Dort stehen die erforderliche Erfahrung sowie Hightech-Ausrüstung für eine sichere Diagnose und Therapie zur Verfügung", rät Prof. Bauer. Helios betreibt rund ein Dutzend solch hochspezialisierte Lungenzentren, die eng im Verbund mit weiteren Kliniken und Arzt-Praxen vernetzt sind. Sieben davon sind zertifiziert. „Bei Helios behandeln wir Lungenkrebs über 32.000-mal pro Jahr und ermöglichen unseren Patientinnen und Patienten - unabhängig vom Standort - Zugang zu unseren Expertinnen und Experten“, so Prof. Dr. med. Frederick Palm, Helios Medical Consultant.
Lungenkrebszentren nutzen hochpräzise moderne Verfahren – etwa das roboterassistierte Bronchoskopie-System ION
In diesen Lungenkrebszentren werden zudem Entscheidungen über eine individuelle Behandlung stets interdisziplinär getroffen, mit dem geballten Wissen aus ganz unterschiedlichen Fachrichtungen. In den spezialisierten Lungenkrebszentren kommen außerdem hochpräzise moderne Verfahren - wie etwa KI - zum Einsatz. Die Radiologischen Befunde aus dem Lungenkrebsscreenings werden in den Zentren mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz ausgewertet. Dazu gehört auch das roboterassistierte Bronchoskopie-System ION. Und damit verschieben sich die medizinischen Möglichkeiten. Insgesamt fünf Standorte - die Helios Lungenkrebszentren in Berlin, Bonn/Siegburg, Krefeld/Duisburg und Wiesbaden sowie ab April auch in Erfurt - setzen bei der Diagnostik auf das innovative Bronchoskopie-System Ion. Dieses ermöglicht es den behandelnden Ärztinnen und Ärzten, schonend vorzugehen, besonders tief vorzudringen und punktgenau Proben von verdächtigem Lungengewebe zu entnehmen. „Das neue Robotik-System zur Bronchoskopie ist ein Gamechanger. Wir kommen damit bis ins tiefste Lungengewebe und können selbst millimetergroße verdächtige Gewebeverdichtungen erreichen und Proben entnehmen. Das war zuvor endoskopisch nicht möglich“, erklärt Dr. Joanna Krist, Oberärztin der Pneumologie, Lungenklinik Heckeshorn am Helios Klinikum Emil von Behring. Mehr Infos zu ION siehe Kasten.
Helios bietet durchgängige Versorgungskette an
Mit dem Lungenkrebsscreening entsteht also eine durchgängige Versorgungskette – und genau hier liegt eine der Stärken von Helios. Das Kliniknetzwerk, das hierzulande rund 80 Kliniken betreibt, verbindet, wo immer möglich in seinen spezialisierten Lungenkrebszentren eine hochmoderne radiologische Diagnostik und Therapie.
Bestätigt sich der Verdacht auf ein Lungenkarzinom, dann geht alles ganz schnell: Lungenfachärztinnen und -ärzte, Thoraxchirurgen, Onkologinnen und Radiologen entscheiden - nach einer interdisziplinären Beratung im Tumorboard - gemeinsam über die jeweils optimale individuelle Therapie. „Je nach Stadium kommen mehrere Möglichkeiten in Frage: Sie reichen von einer minimalinvasiven Operation über eine Strahlentherapie bis hin zu einer Chemo- bzw. Immuntherapie“, so Prof. Dr. Torsten Bauer. Sieht der Behandlungsplan einen Eingriff vor, kann dieser in einem minimalinvasiven Verfahren mit dem robotischen Assistenzsystem DaVinci entfernt werden.
Screening begünstigt Deutschlandweit potenziell 5,5 Millionen Menschen
Das neue Screening begünstigt potenziell 5,5 Millionen Menschen in Deutschland. Gleichzeitig ist so eine neue Versorgungskette entstanden, in der Früherkennung, Diagnostik, Therapie und auch Nachsorge eng ineinandergreifen und die Patientinnen auffangen. Für die Betroffenen bedeuten diese ineinandergreifenden Schritte im besten Fall: eine viel frühere Diagnose, die Option auf einen früheren Behandlungsbeginn, ein schonenderer Eingriff und bessere Heilungschancen. Helios gehört zu den wenigen Netzwerken, die mit hochspezialisierten Krebszentren den klinischen Behandlungspfad abbilden können.
Für unseren Patienten hat sich die Situation damit grundlegend verändert. Wäre er früher an seiner Erkrankung möglicherweise verstorben, weil viel zu spät entdeckt, führt ihn heute ein klar strukturierter Behandlungspfad von der Früherkennung zur hochprofessionellen Behandlung. Seine Überlebenschancen haben sich damit deutlich verbessert – nicht zuletzt, weil es Akteure wie Helios gibt, die darauf bestens vorbereitet sind.
Neuer Online-Selbsttest bietet schnelle Orientierung
Screening-Interessierte können mit einem neuen Online-Selbsttest herausfinden, ob eine Untersuchung zur Lungenkrebsfrüherkennung für sie infrage kommt. Link zum Selbsttest
So funktioniert das ION-System
Das Ion-Endoluminalsystem ist ein robotisch unterstütztes Bronchoskopie-System zur Diagnostik von Lungenrundherden. Es ermöglicht Ärztinnen und Ärzten, selbst kleinste Herde gezielt zu erreichen, selbst wenn diese tief im Gewebe oder weit in der Peripherie liegen. So lassen sich auch schwer zugängliche Bereiche untersuchen.
Vor dem Eingriff mit der ION-Software wird auf Basis von CT-Bildern ein dreidimensionales Modell der Lunge erstellt – ein sogenannter „digitaler Zwilling“. Dieser dient als Navigationshilfe und zeigt den optimalen Weg zur auffälligen Stelle. Während der Untersuchung wird ein ultradünner, beweglicher Katheter über die Atemwege in die Lunge geführt. Dank moderner Sensorik kann seine Position in Echtzeit verfolgt werden.
An der potenziell mit Krebs befallenen Stelle wird der Katheter geparkt. Instrumente zur Gewebeentnahme können dann eingeführt werden. Dann kann das Gewebe millimetergenau entnommen und zur weiteren Analyse eingeschickt werden.