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24 Stunden auf der Intensivstation

Auf der Intensivstation geht es oft um Leben und Tod - rund um die Uhr kümmern sich Ärzte und Pfleger hier um ihre Patienten. Ein Besuch im HELIOS Klinikum Bad Saarow.

Im Umkleideraum ist es voll. Leises Gewusel. Sechs Frauen schlüpfen in die blaue Berufskleidung der ITS (Intensivstation). 6.30 Uhr: Schichtwechsel. Die Nacht war ruhig, die Übergabe zwischen Nacht- und Frühdienst ist kurz, viel geredet wird nicht.

(Veröffentlicht: März 2015)

Stationsleiterin Mandy Stockmann teilt die Kollegen ein. „Wenn möglich, wird immer ein Küken mit einem alten Hasen in einen Bereich eingeteilt“, sagt sie. Mit 26 bekam Stockmann die Leitung über mittlerweile 67 Kollegen.

Das Team der ITS versorgt schwerstkranke Patienten. Viele haben einen größeren operativen Eingriff hinter sich, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten oder sind an einer schweren Lungenentzündung erkrankt. Aber auch nach einem Unfall mit Schädel-Hirn-Trauma oder inneren Verletzungen werden Patienten hier aufgenommen.

„Jeder wird bei uns so behandelt, als wäre es der eigene Vater oder die eigene Mutter.“

Mandy Stockmann eilt Richtung „down town“. So bezeichnen die Mitarbeiter den Gang, der den Ost- und Westteil der Station miteinander verbindet. Hier beginnt die Morgenvisite: Schwestern, Chef-, Ober- und Assistenzärzte unterschiedlicher Fachrichtungen setzen sich mit der Stationsleiterin in Bewegung. Stimmengewirr und Monitorgeräusche treten in Konkurrenz. Die Patienten liegen inmitten von vielen technischen Geräten, an Schläuchen und Maschinen angeschlossen und sind oft kaum ansprechbar. Deshalb legen alle Mitarbeiter großen Wert auf einen liebevollen Umgang mit ihnen. „Jeder wird bei uns so behandelt, als wäre es der eigene Vater oder die eigene Mutter“, sagt Dr. Uli-Rüdiger Jahn, Leiter des Bereiches Intensivmedizin.

„Wie war die Nacht? Haben Sie Schmerzen?“, Dr. Jahn wendet sich einem Patienten zu. Seine Stimme wird augenblicklich weich. Bei der Visite ist der Oberarzt hochkonzentriert – und erwartet das auch von allen seinen Mitarbeitern. „Das ist die wichtigste Zeit des Tages“, sagt er. „Nur jetzt kommen die verschiedenen Fachärzte als interdisziplinäres Team zusammen. Alle müssen konzentriert zuhören – und wenn jemand was zu sagen hat, dann laut.

Mittags ruft Oberarzt Jahn zur Röntgenbesprechung in sein Zimmer. Angespannt blicken die Kollegen auf den Monitor mit den Röntgenaufnahmen. Währenddessen geht der Betrieb auf der Station wie gewohnt weiter: Regelmäßig prüft das Team der ITS Vitalparameter wie Puls, Blutdruck oder Sauerstoffsättigung der Patienten und kontrolliert deren Medikation. Auch besondere Untersuchungen wie Ultraschall vom Herzen und verschiedene Maßnahmen zur Kreislaufunterstützung gehören zu den Routinetätigkeiten des Intensivteams.

Bei der Röntgenbesprechung: Oberarzt Dr. Uli-Rüdiger Jahn (links) und sein Team.

„Interdisziplinäre Zusammenarbeit bekommt auf der ITS noch mal einen ganz anderen Stellenwert“, erklärt Dr. Stefan Wirtz, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie. „Medizin lässt sich nur dann gut machen, wenn man in kollegialer Freundschaft zusammengewachsen ist. Das gilt sowohl für die Ärzte als auch für die Pflegekräfte.“ Er weiß, dass Mandy Stockmann und ihr Team in vorderster Reihe stehen. Sie haben die meiste Erfahrung mit den Patienten, begleiten sie Tag und Nacht – und erkennen auch kleine Veränderungen.

17 Uhr. Für Mandy Stockmann geht ein langer Tag zu Ende. Wie schafft sie es, jetzt abzuschalten? „Wichtig ist, symbolisch die privaten Sorgen bei Dienstbeginn mit der Kleidung auszuziehen, in den Spind zu hängen und die Probleme und die menschlichen Schicksale auf der Station zum Feierabend sozusagen mit der Berufskleidung abzulegen.“ Außerdem liest sie viel: „Tauche ich in ein Buch ein, bin ich weg. Und ich sehne mich nach Ruhe, deshalb schalte ich für eine Stunde das Telefon aus, wenn ich nach Hause komme.“ 

Auf der Intensivstation ist das kontinuierliche Überwachen der Vitalzeichen von Patienten besonders wichtig.

22 Uhr. Übergabe. Pfleger Uwe Bogner ist in dieser Nacht Schichtleiter. Sein Telefon schellt: Er muss mal eben schnell auf der Nachbarstation aushelfen. Ein 150 Kilogramm schwerer Mann ist aus dem Bett gefallen – da brauchen die Nachtschwestern einen starken Mann. Nachts halb eins: Bisher verläuft die Schicht ruhig. Die sechs Kollegen vom Nachtdienst füllen Medikamentenschränke auf, bestücken Wagen für den Wäschewechsel oder Verbände, wechseln Katheter und schieben Geräte zurück an ihren Platz. Die Bewegung im grellen Flurlicht hält wach. Der diensthabende Arzt muss zu einem Patienten, der besonders unruhig ist, denn nachts, das wissen alle, kommen auch die Ängste.

Kurz vor halb zwei: Eine geplante Notfalloperation wird abgesagt, der Patient ist inoperabel. Die vorbereiteten Geräte werden wieder weggeräumt. Um halb vier beginnt der Endspurt für die Nachtschicht. Bogner steht am Bett eines Patienten. Damit dieser ungestört atmen kann, muss der Pfleger ihm Schleim aus dem Rachen absaugen. Der Patient ist sediert und Bogner weiß, dass er nicht antworten kann. Dennoch nimmt er sich die Zeit, um ihn anzusprechen: „Hallo Herr K., bitte erschrecken Sie nicht, ich sauge Ihnen jetzt den Schleim aus dem Rachen und dann wechseln wir Ihre Bettwäsche.“

6.30 Uhr. Drei Türen weiter sind bereits die Kollegen der Frühschicht im Umkleideraum angekommen und schlüpfen in ihre blaue ITS-Garderobe.

 

Im Rahmen der Personalentwicklung ist Dr. Uli-Rüdiger Jahn als Chefarzt Anästhesiologie, Intensiv- und Notfallmedizin, Schmerztherapie an das HELIOS Klinikum Uelzen gewechselt. Die Klinik für Intensivmedizin und die Klinik für Anästhesiologie und Schmerztherapie sind inzwischen jeweils eigenständige Fachabteilungen im HELIOS Klinikum Bad Saarow, Dr. Stefan Wirtz ist Chefarzt und Ali Allam Leitender Oberarzt der Klinik für Intensivmedizin.

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